EU0 % auf ThesaurierungGründung aus der Ferne

Estland

Estland besteuert Firmengewinne erst, wenn sie die Firma verlassen – und über e-Residency gründest und führst du diese Firma online. Der Haken: e-Residency ist eine digitale ID, kein Wohnsitz und keine steuerliche Ansässigkeit.

Unser Fazit

Top, wenn du den Großteil deines Gewinns reinvestierst oder tatsächlich in Estland bzw. einem Niedrigsteuerland lebst und eine angesehene EU-Firma mit fast null Verwaltungsaufwand willst. Lass es, wenn du sie aus Deutschland oder einem anderen Hochsteuerland führen willst – dann wird sie dort besteuert – oder wenn du jedes Jahr jeden Euro ausschütten musst, denn Ausschüttungen kosten pauschal 22 %.

Ideal für

  • Gründer, die Gewinne über Jahre reinvestieren
  • Remote-Businesses, deren Inhaber in Estland oder einem Niedrigsteuerland lebt
  • Alle, die eine EU-Firma mit komplett digitaler Verwaltung wollen

Eher nicht, wenn

  • Alle, die in einem Hochsteuerland bleiben und die Firma von dort führen
  • Inhaber, die jedes Jahr alles ausschütten
  • Wer über die Firma eine günstige Aufenthaltserlaubnis sucht

Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick.

Einbehaltene Gewinne
0 %
keine Steuer, solange der Gewinn in der Firma bleibt
Ausgeschüttete Gewinne
22 %
22/78 der Nettodividende, zahlt die Firma
Quellensteuer auf Dividenden
0 %
seit 2025 nur noch Besteuerung auf Firmenebene
Einkommensteuer
22 %
pauschal; 700 € Grundfreibetrag pro Monat (2026)
Mehrwertsteuer
24 %
seit 1. Juli 2025
Gründungsdauer
1–2 Werktage
online, sobald du die e-Residency-Karte hast
Laufende Kosten
ca. 1.500–2.500 €/Jahr
Buchhaltung, Jahresabschluss, Kontaktperson
Mindestaufenthalt
Keiner für die Firma
183 Tage/Jahr für die persönliche Steueransässigkeit
Währung
EUR

Der Nerdy Index.

15 Kriterien, jedes mit 0–10 bewertet – nach veröffentlichter Formel oder Raster. Wähl, wer du bist – der Index gewichtet neu, was für dich zählt.

74Nerdy IndexGründer, zieht mit der Firma um
75Firma
72Wohnsitz
AusschüttungThesaurierungKostenTempoBankingRufSubstanzPers. SteuerZugangMindestaufenth.LebenskostenSicherheitRechtsstaatEnglischMobilität

FirmaWohnsitz

Firma 75/100

Steuer auf ausgeschüttete Gewinne22 % 4,5/10

Körperschaftsteuer plus Quellensteuer auf 100.000 € Gewinn, ausgeschüttet an einen nicht ansässigen Eigentümer. Transparente Gesellschaften (US-LLC) zahlen auf Firmenebene nichts – der Eigentümer versteuert zu Hause, daher neutral 5.

Formel 10 × (1 − Satz / 40), 0 % = 10, ab 40 % = 0 · Gewicht 25

Steuer auf thesaurierte Gewinne0 % 10/10

Steuer, solange Gewinne in der Firma bleiben (Estland und Georgien: 0 %).

Formel 10 × (1 − Satz / 35) · Gewicht 10

Laufende Kostenca. 2.000 € / Jahr 9,3/10

Typische Jahreskosten, um eine kleine operative Firma sauber zu halten: Sitzadresse, Buchhaltung, Steuererklärungen, Prüfung falls Pflicht, Behördengebühren. Ohne Personal und Büromiete.

Einordnung: Monatliche Buchhaltung und Jahresabschluss über einen typischen e-Residency-Dienstleister, dazu Kontaktperson und Geschäftsadresse (etwa 200–400 €), wenn der Vorstand im Ausland lebt. Keine Prüfungspflicht unter den Schwellenwerten, keine jährliche Registergebühr.

Formel unter 1.500 € = 10 · 3.000 € = 8 · 6.000 € = 6 · 10.000 € = 4 · 20.000 € = 2 · ab 30.000 € = 0 (linear dazwischen) · Gewicht 15 · e-Residency – costs & fees

Gründungstempo & Gründung aus der Ferne1 Werktag 10/10

Typische Werktage von unterschriebenen Unterlagen bis zur eingetragenen Firma. +1 Punkt (max. 10), wenn alles aus der Ferne geht.

Einordnung: Mit e-Residency-Karte wird eine OÜ online im e-Business Register eingetragen, meist innerhalb eines Werktags (Gebühr 265 €). Die Karte selbst dauert etwa 3–8 Wochen.

Formel 1 Tag = 10 · 5 = 8 · 10 = 6 · 20 = 4 · 40 = 2 · ab 60 = 0, +1 bei Ferngründung · Gewicht 10 · e-Residency – costs & fees

Zugang zu BankenNerdy-Einschätzung 6/10

Wie leicht eine Firma mit ausländischem Eigentümer ein Geschäftskonto (lokale Bank oder regulierter E-Geld-Anbieter) eröffnen und behalten kann, das international funktioniert.

Unsere Einschätzung: E-Geld-Institute wie Wise oder Revolut eröffnen Konten für e-Residency-Firmen aus der Ferne in wenigen Tagen. Estnische Banken (LHV, SEB, Swedbank) wollen meist einen Besuch und einen lokalen Bezug und lehnen e-Residents oft ab.

Bewertungsraster 10 = aus der Ferne, Tage, Großbanken · 7 = vor Ort, einige Wochen, machbar · 4 = langsam, wählerisch, oft nur mit lokalen Bezügen · 1 = für Ausländer sehr schwer · Gewicht 15

Ruf & Abkommensnetz66 Abkommen, auf keiner EU- oder FATF-Liste 8,8/10

Anzahl der geltenden Doppelbesteuerungsabkommen, abzüglich Maluspunkten für Listen, die Banken und Finanzämter nervös machen: EU-Liste nicht kooperativer Länder (Anhang I), EU-Beobachtungsliste (Anhang II), FATF-Grauliste.

Einordnung: Estland hat 70 Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen, 66 davon in Kraft. Als EU-Mitglied mit starkem Ruf steht es auf keiner der EU- oder FATF-Listen.

Formel ab 90 Abkommen = 10 · 70 = 9 · 50 = 8 · 30 = 6 · 10 = 4 · 0 = 2; −6 EU-Anhang I, −2 EU-Anhang II, −4 FATF-Grauliste · Gewicht 15 · Estonian Ministry of Finance – double taxation agreements

Substanz-AufwandNerdy-Einschätzung 8/10

Wie viel echte Präsenz (Geschäftsführer, Büro, Personal, Board-Meetings) die Firma vor Ort braucht, um dort als steuerlich ansässig anerkannt zu werden und die Bank zufriedenzustellen. Höhere Punktzahl = weniger Aufwand.

Unsere Einschätzung: Rechtlich kann der Inhaber alles online erledigen; Kontaktperson und Geschäftsadresse vom Dienstleister reichen. Die eigentliche Frage ist, von wo aus du sie führst – Estland sieht sie als ansässig, dein Heimatland womöglich auch.

Bewertungsraster 10 = nichts außer dem Eigentümer, der sie führt · 7 = lokaler Director oder virtuelles Büro reicht meist · 4 = echtes Büro und Geschäftsleitung vor Ort erwartet · 1 = Personal und Räume Pflicht (z. B. Freihandelszonen-Lizenz) · Gewicht 10

Wohnsitz 72/100

Persönliche Steuer als Zuzügler0 % obendrauf (22 % zahlt die Firma) 10/10

Effektive Steuer, die ein neu zugezogener Resident auf 100.000 € Einkommen aus der eigenen (ausländischen oder lokalen) Firma zahlt – mit dem besten Regime, das Unternehmern realistisch offensteht (Non-Dom, Pauschalsteuer, territorial, Sonderregime). Ohne Sozialversicherung.

Einordnung: Ansässiger Inhaber, Dividenden aus einer estnischen OÜ: Seit 2025 werden Dividenden nur auf Firmenebene besteuert (22 %, schon in der Firmenwertung enthalten), persönlich kommt nichts dazu. Ein Gehalt kostet 22 % Einkommensteuer plus 33 % Sozialsteuer.

Formel 10 × (1 − Satz / 45) · Gewicht 25 · Estonian Tax and Customs Board – taxation of dividends

Zugang zum AufenthaltNerdy-Einschätzung 5/10

Wie realistisch ein Nicht-EU-Unternehmer eine Aufenthaltserlaubnis bekommt, die auch steuerliche Ansässigkeit bringt: Voraussetzungen, Kosten, Dauer, Chancen. EU-Bürger haben es meist leichter – steht in der Begründung.

Unsere Einschätzung: EU-Bürger melden sich einfach an. Nicht-EU-Gründer einer estnischen Firma brauchen die Unternehmer-Erlaubnis mit 65.000 € Investition; das Nomadenvisum (4.500 €/Monat) gilt nur für ausländische Arbeitgeber oder ausländische Firmen.

Bewertungsraster 10 = Wochen, günstig, über eigene Firma oder einfache Anmeldung · 7 = einige Monate, moderate Kosten (z. B. D7/Nomad-Visum) · 4 = anspruchsvoll (hohes Einkommen, Investition oder Gespräche) · 1 = ohne Jobangebot oder große Investition kaum möglich · Gewicht 15

Mindestaufenthalt183 Tage / Jahr 4/10

Tage pro Jahr, die du dort verbringen musst, um Erlaubnis und steuerliche Ansässigkeit zu behalten (das Strengere zählt, mit dem flexibelsten Programm).

Einordnung: Steuerlich ansässig in Estland wirst du mit 183 Tagen in 12 Monaten (oder einem gemeldeten Wohnsitz). Befristete Aufenthaltserlaubnisse setzen voraus, dass du wirklich in Estland lebst.

Formel 0–30 Tage = 10 · 60 = 8 · 90 = 7 · 183 = 4 · ab 270 = 2 · Gewicht 10 · Estonian Tax and Customs Board – tax rates and residency

Lebenshaltungskosten62,8 (Tallinn) · Tallinn 5,1/10

Numbeo Cost of Living Index (ohne Miete, New York = 100) für die Stadt, die die meisten Expats wählen.

Einordnung: Tallinn ist günstiger als westeuropäische Hauptstädte, aber kein Schnäppchen mehr: Supermarkt und Restaurant liegen nahe am deutschen Niveau.

Formel Index 30 = 10 · 50 = 7 · 70 = 4 · ab 90 = 1 (linear) · Gewicht 12 · Numbeo – Cost of Living Index (current)

Sicherheit78,5 (Tallinn) · Tallinn 7,9/10

Numbeo Safety Index für dieselbe Stadt (0–100, höher ist sicherer).

Einordnung: Tallinn gehört zu den sichereren Hauptstädten Europas; Kleinkriminalität beschränkt sich vor allem auf die Altstadt in der Touristensaison.

Formel Index / 10 · Gewicht 10 · Numbeo – Safety Index (current)

Rechtsstaat & Stabilität90. Perzentil 9/10

Weltbank Worldwide Governance Indicators, Perzentilrang Rechtsstaatlichkeit (0–100). Misst, wie verlässlich Gerichte, Verträge und Eigentumsrechte sind.

Einordnung: Estland gehört zum besten Zehntel weltweit, was verlässliche Gerichte, Verträge und Eigentumsrechte angeht (WGI 2025, Rule-of-Law-Wert 82,3, Perzentilrang unter 215 Ländern).

Formel Perzentil / 10 · Gewicht 10 · World Bank – Worldwide Governance Indicators

Englisch im Alltag & BusinessEF EPI 561 (mittel) 6,4/10

Punktwert im EF English Proficiency Index. Länder mit Englisch als Amts- oder übliche Geschäftssprache zählen mit 700.

Einordnung: Business, Banking und staatliche E-Services funktionieren auf Englisch, Tallinns Tech-Szene sowieso; außerhalb der Hauptstadt und bei Älteren begegnet dir eher Estnisch oder Russisch.

Formel 400 = 1 · 500 = 4 · 550 = 6 · 600 = 8 · ab 650 = 10 · Gewicht 8 · EF English Proficiency Index 2025 – Estonia

Mobilität & PerspektiveNerdy-Einschätzung 7/10

Was dir der Aufenthalt über das Land hinaus bringt: Schengen-/EU-Zugang, Daueraufenthalt und Weg zur Staatsbürgerschaft, Stärke eines späteren Passes, doppelte Staatsbürgerschaft erlaubt.

Unsere Einschätzung: EU- und Schengen-Zugang; Daueraufenthalt nach fünf und Einbürgerung nach acht Jahren, allerdings mit Estnisch-Prüfung und ohne doppelte Staatsbürgerschaft für Eingebürgerte.

Bewertungsraster 10 = EU/Schengen, Einbürgerung in ~5 Jahren, doppelt erlaubt · 7 = starker regionaler Zugang oder schneller Daueraufenthalt · 4 = nur lokaler Aufenthalt, langer Weg · 1 = kein Weg zu Dauerhaftigkeit · Gewicht 10

Zahlen geprüft: September 2026. Klick auf eine Zeile für Formel, Begründung und Quelle. So funktioniert der Nerdy Index

Wege zu Aufenthalt & Visum.

e-Residency (keine Aufenthaltserlaubnis)

Eine staatliche digitale ID, um eine estnische Firma online zu gründen und zu führen. Gebühr 150 € (ab 2027: 165 €), Abholung der Karte nach etwa 3–8 Wochen in einer Botschaft oder Abholstelle. Sie gibt dir kein Recht, in Estland zu leben, und keine steuerliche Ansässigkeit.

Digital Nomad Visa

Für Remote-Arbeiter, die bei einer Firma außerhalb Estlands angestellt sind, eine solche besitzen (oder überwiegend für ausländische Kunden freelancen) und in den sechs Monaten vor dem Antrag mindestens 4.500 € im Monat verdient haben. Bis zu ein Jahr; führt nicht zum Daueraufenthalt und deckt nicht den Betrieb einer estnischen OÜ ab.

Befristete Aufenthaltserlaubnis für Unternehmer

Für Nicht-EU-Gesellschafter, die mindestens 65.000 € in eine estnische Firma mit echter Tätigkeit in Estland investiert haben (16.000 € als Einzelunternehmer), plus Einkommensnachweis. Bis zu fünf Jahre; nach fünf Jahren ist ein Daueraufenthalt möglich.

EU/EWR-Bürger

Keine Erlaubnis nötig: Melde deine Adresse innerhalb von drei Monaten bei der Gemeinde an. Steuerlich ansässig wirst du mit 183 Tagen in 12 Monaten oder einem gemeldeten Wohnsitz.

Was für Estland spricht

  • 0 % Steuer auf reinvestierte Gewinne, egal wie lange
  • Seit 2025 keine zusätzliche Steuer auf Dividenden für Ansässige und ausländische Inhaber
  • Komplett digitale Verwaltung: Gründen, Unterschreiben, Melden – alles online
  • Niedrige laufende Kosten und praktisch kein Mindestkapital (0,01 €)
  • EU, Schengen, Euro und 66 geltende Doppelbesteuerungsabkommen

Worauf du achten solltest

  • Ort der Geschäftsleitung: Führst du sie aus Deutschland, besteuert Deutschland sie
  • Pauschal 22 %, sobald du ausschüttest – der alte 14-%-Satz ist weg
  • Mehrwertsteuer jetzt 24 %, einer der höheren Sätze in der EU
  • Estnische Banken nehmen e-Residents ohne lokale Bezüge selten – die meisten nutzen E-Geld-Institute
  • Lange, dunkle Winter, und bei der Einbürgerung musst du deinen alten Pass abgeben

Estlands Angebot passt auf einen Klebezettel: keine Steuer, solange das Geld in der Firma bleibt, 22 %, wenn es sie verlässt. Dazu ein Staat, der fast komplett online läuft – fertig ist die Lieblingsfirma von Remote-Gründern weltweit. Dieser Guide zeigt, wo das Modell glänzt, wo es still und leise scheitert und was sich 2025 und 2026 geändert hat.

Passt es zu dir?

Estland belohnt Geduld. Verdient deine Firma 100.000 € und du lässt 80.000 € drin, um einzustellen, zu bauen oder zu investieren, nimmt Estland auf diese 80.000 € nichts – weder dieses Jahr noch nächstes. Besteuert werden nur die 20.000 €, die du ausschüttest.

Du gewinnst, wenn:

  • du reinvestierst. Wachsende Firmen, die Gewinne zurück ins Geschäft stecken, zahlen 0 %, bis sie ausschütten. Gegenüber 25–30 % Körperschaftsteuer ist das ein echter Liquiditätsvorteil.
  • du in Estland lebst oder in einem Land, das dich nicht auf Gewinne ausländischer Firmen besteuert – dann ist die Firma wirklich estnisch und ihre Steuer auch.
  • du wenig Verwaltung liebst. Unterschreiben, Melden, Berichten und Banking über E-Geld-Institute laufen online. Die laufenden Kosten gehören zu den niedrigsten in der EU.

Du verlierst, wenn:

  • du in Deutschland (oder einem anderen Hochsteuerland) bleibst und die Firma von dort führst. Dann ist sie meist dort steuerlich ansässig, wo sie geleitet wird. Aus Estlands 0 % werden Deutschlands 30 %. Mehr dazu im Guide zum Ort der Geschäftsleitung.
  • du jedes Jahr den ganzen Gewinn brauchst. Alles auszuschütten kostet pauschal 22 %. Fair, aber nicht billig – Bulgarien oder Zypern können bei voller Ausschüttung günstiger sein.
  • du für wenig Geld eine Aufenthaltserlaubnis willst. e-Residency ist eine digitale ID, kein Visum.

Die Firma

Rechtsformen, die zählen

  • OÜ (osaühing, GmbH-Pendant). Der Standard für Gründer. Ein Gesellschafter und ein Vorstandsmitglied reichen, Mindestkapital 0,01 €, Gebühr 265 €.
  • FIE (Einzelunternehmer). Nur sinnvoll, wenn du in Estland lebst; Gewinne werden persönlich mit 22 % plus Sozialsteuer besteuert. Nichts für internationale Gründer.
  • AS (Aktiengesellschaft). Für größere Strukturen und Investoren; für ein Ein-Personen-Business überdimensioniert.

Wie Gewinne besteuert werden

Estland besteuert keinen Gewinn, sondern Ausschüttungen. Zahlt die OÜ eine Dividende, führt sie 22 % des Bruttobetrags ab, berechnet als 22/78 der Nettodividende. Seit 2025 ist das die einzige Steuer: kein ermäßigter 14-%-Satz für regelmäßige Ausschüttungen mehr und keine Quellensteuer obendrauf – egal, ob der Gesellschafter in Tallinn oder Toronto lebt.

Die gute Nachricht für 2026: Die geplante „Sicherheitssteuer“ – inklusive 2 % jährlicher Steuer auf Firmengewinne – wurde im Juni 2025 gestrichen, bevor sie je galt, und die angekündigte Erhöhung auf 24 % im Dezember 2025 abgesagt. Es bleibt bei 22 %.

SchrittEinbehaltenAusgeschüttet
Gewinn100.000 €100.000 €
Estnische Steuer0 €22.000 €
Geld beim Inhaber0 € (bleibt in der Firma)78.000 €
Persönliche Steuer bei Wohnsitz in Estland–0 €

Lebst du woanders, besteuert dein Heimatland die 78.000 € Dividende meist noch einmal nach eigenen Regeln. Die estnischen 22 % sind Körperschaftsteuer, du kannst sie also in der Regel nicht auf deine Einkommensteuer zu Hause anrechnen. Rechne deinen Fall im Steuerrechner durch.

Gründung und Zeitplan

  1. e-Residency beantragen. Online (150 €, ab 2027 165 €), Karte nach etwa 3–8 Wochen in einer Botschaft oder Abholstelle abholen.
  2. Dienstleister wählen für Geschäftsadresse und – wenn der Vorstand im Ausland lebt – die vorgeschriebene Kontaktperson.
  3. OÜ eintragen im e-Business Register – meist innerhalb eines Werktags.
  4. Konto eröffnen bei einem E-Geld-Institut oder einer Bank und für die Mehrwertsteuer registrieren, wenn du 40.000 € steuerpflichtige Umsätze in Estland überschreitest oder eine Nummer für EU-B2B-Geschäfte brauchst.

Laufende Kosten

Rechne mit etwa 1.500–2.500 € pro Jahr für monatliche Buchhaltung, Jahresabschluss und Kontaktperson. Es gibt keine jährliche Registergebühr und keine Prüfungspflicht für kleine Firmen. Schüttest du aus oder zahlst ein Gehalt, gehört die monatliche TSD-Meldung zur Routine.

Banking

Die meisten e-Residency-Firmen arbeiten mit E-Geld-Instituten wie Wise, Revolut oder Paysera – online, schnell, gut für internationale Zahlungen. Estnische Banken (LHV, SEB, Swedbank) bevorzugen Kunden mit echtem Bezug zu Estland und wollen oft einen Besuch. Brauchst du eine klassische Bank, plane das ein. Unser Offshore-Banking-Guide erklärt, warum zwei Konten bei zwei Instituten klug sind.

Substanz

Estland sieht jede dort eingetragene OÜ als steuerlich ansässig. Dein Heimatland sieht das womöglich anders: Sitzt der einzige Geschäftsführer in München, argumentiert Deutschland, dass die Firma in Deutschland geleitet – und besteuert – wird. Die Lösung ist kein Papier, sondern Realität: Entweder du ziehst um, oder die echte Geschäftsleitung sitzt in Estland oder in einem Land, das dich nicht besteuert.

Leben in Estland

Aufenthaltswege

WegFür wenKernvoraussetzungWas du bekommst
EU-AnmeldungEU/EWR-BürgerAdresse innerhalb von 3 Monaten anmeldenRecht auf Leben und Arbeit
Unternehmer-ErlaubnisNicht-EU-Gesellschafter65.000 € in eine estnische Firma investiert (16.000 € als Einzelunternehmer), EinkommensnachweisBis zu 5 Jahre, verlängerbar
Digital Nomad VisaRemote-Arbeiter4.500 €/Monat, Arbeitgeber oder Firma im AuslandBis zu 1 Jahr, kein Weg zum Daueraufenthalt
e-ResidencyAlle150 € GebührEine digitale ID – kein Aufenthalt

Achte auf die Lücke: Das Nomadenvisum deckt keine estnische OÜ ab. Nicht-EU-Gründer, die in Estland leben und ihre eigene OÜ nutzen wollen, brauchen in der Regel die Unternehmer-Erlaubnis.

Persönliche Steuer

Die Einkommensteuer beträgt pauschal 22 % mit 700 € Grundfreibetrag pro Monat (2026). Auf Gehälter kommen 33 % Sozialsteuer, die der Arbeitgeber zahlt. Dividenden aus deiner OÜ werden persönlich nicht noch einmal besteuert. Ein Sonderregime für Zuzügler gibt es nicht – Estland hält es einfach.

Tage und Ansässigkeit

Steuerlich ansässig in Estland bist du mit 183 Tagen in 12 Monaten oder einem gemeldeten Wohnsitz. Genauso wichtig ist ein sauberer Wegzug aus deinem Heimatland – siehe steuerliche Ansässigkeit erklärt.

Gesundheit und Alltag

Wer Sozialsteuer zahlt (etwa über ein Gehalt aus der eigenen OÜ), ist über die Krankenkasse versichert; Dividenden allein bringen keinen Versicherungsschutz. Plane also eine private Versicherung ein oder zahl dir ein Gehalt. Tallinn ist kompakt, sicher (Numbeo-Sicherheitsindex 78,5) und digital bis zum Anschlag – Verträge unterschreibst du mit der ID-Karte, die Steuererklärung dauert Minuten. Günstig wie Osteuropa ist es nicht mehr: Numbeo sieht Tallinn ohne Miete bei 62,8, nicht weit unter Berlin. Im Winter wird es am frühen Nachmittag dunkel; der Sommer macht das wieder gut.

Die Haken

Woran es oft scheitert

01

Ort der Geschäftsleitung.

Eine estnische OÜ, die aus einem Hochsteuerland geführt wird, wird meist dort besteuert. e-Residency ändert daran nichts.

02

Hinzurechnungsbesteuerung.

Selbst mit Geschäftsleitung im Ausland kann Deutschland niedrig besteuerte passive Einkünfte einer beherrschten Firma erfassen – 0 % auf einbehaltene Gewinne gelten als niedrig. Siehe Hinzurechnungsbesteuerung.

03

Wegzugsbesteuerung.

Ziehst du mit Anteilen an einer deutschen GmbH nach Estland, kann die Wegzugsteuer greifen. Plane vorher: Guide zur Wegzugsbesteuerung.

04

Kein 14-%-Satz mehr.

Seit 2025 wird jede Ausschüttung mit 22/78 besteuert. Ältere Guides werben noch mit dem niedrigeren Satz.

05

Verdeckte Gewinnausschüttungen.

Private Ausgaben und Gesellschafterdarlehen können als Dividende besteuert werden.

06

Banken.

Estnische Banken lehnen e-Residents gern ab; E-Geld-Institute funktionieren, sind aber keine Banken mit Einlagensicherung.

07

Nomadenvisum ≠ Gründervisum.

Das Digital Nomad Visa setzt einen Arbeitgeber oder eine Firma im Ausland voraus.

Schritt für Schritt

Von der Idee zur estnischen Firma

  1. Kläre, wo du lebst und führst

    Die wichtigste Entscheidung überhaupt. Bleibst du in einem Hochsteuerland, hol dir Beratung, bevor du irgendetwas gründest.

  2. e-Residency beantragen

    150 €, Hintergrundprüfung, Kartenabholung nach etwa 3–8 Wochen.

  3. Dienstleister auswählen

    Geschäftsadresse, Kontaktperson, Buchhaltung. Vergleiche die Pakete – sie machen den Großteil deiner laufenden Kosten aus.

  4. OÜ eintragen

    Online, meist innerhalb eines Werktags, 265 € Gebühr.

  5. Konten eröffnen

    Ein E-Geld-Institut für Tempo; eine Bank, wenn du Bezug zu Estland hast oder eine brauchst.

  6. Umzug planen (falls du umziehst)

    Unternehmer-Erlaubnis oder EU-Anmeldung, Abmeldung zu Hause, Check der Wegzugsbesteuerung, Krankenversicherung.

FAQ

Macht mich e-Residency in Estland steuerlich ansässig?

Nein. Es ist eine digitale Identität zum Unterschreiben und Führen einer Firma. Die steuerliche Ansässigkeit hängt davon ab, wo du lebst.

Ist Estland eine Steueroase?

Nein. Es ist ein normales EU-Land mit 22 % Steuer auf Ausschüttungen und 66 Doppelbesteuerungsabkommen. Es verschiebt die Steuer nur, bis du Geld entnimmst.

Kann ich mir statt Dividenden ein Gehalt zahlen?

Ja, aber ein Gehalt kostet 22 % Einkommensteuer plus 33 % Sozialsteuer. Für Inhaber ohne Wohnsitz in Estland sind Dividenden meist der sauberere Weg; Ansässige kombinieren oft ein kleines Gehalt (für die Krankenversicherung) mit Dividenden.

Hat Estland 2026 die Steuern erhöht?

Die Mehrwertsteuer stieg im Juli 2025 auf 24 %. Die geplanten 24 % Einkommensteuer und die 2-%-„Sicherheitssteuer“ auf Firmengewinne wurden gestrichen – Körperschaft- und Einkommensteuer bleiben 2026 bei 22 %.

Unsicher, ob Estland für dich die Alternativen schlägt? Vergleiche es im Jurisdiction Finder oder buch eine Strategy Session. Dieser Guide ist eine allgemeine Information, keine Steuer- oder Rechtsberatung.

Quellen

Lies das, bevor du entscheidest.

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